Was ein Hintergrundbild am Morgen mit der Stimmung macht
Ein Hintergrundbild ersetzt keinen Schlaf. Was Studien zu Naturfotos, Helligkeit und Farbe über die Morgenstimmung sagen, plus eine einfache Auswahl fürs Handy.
Inhaltsverzeichnis
Der erste Blick hängt am Sperrbildschirm
Ein Hintergrundbild am Morgen verschiebt die Stimmung nur am Rand. Schlaf und das Licht am Fenster tun mehr. Trotzdem ist der Sperrbildschirm das Bild, das an einem Werktag als Erstes aufleuchtet, oft noch vor der Kaffeemaschine. Der Desktop-Hintergrund verschwindet danach unter Fenstern. Das Handybild nicht.
Das Telefon liegt mit dem Display nach oben. Kurz vor sieben erscheint noch das Motiv vom Herbst. Manchmal ein See. Manchmal ein Bild, das um diese Uhrzeit nur noch stört. Ob du das merkst, hängt daran, wie voll und wie bunt die Fläche ist. Ein stilles Bild fällt vielen erst auf, wenn sie es gegen ein lautes tauschen.
Ein beruhigendes Hintergrundbild fürs Handy bringt deshalb mehr als ein aufwendiges Motiv für den Monitor. Brauchbare Versuche gibt es zu Naturfotos und zur Farbe eines Bildschirms. Einen Versuch, der genau den Sperrbildschirm morgens misst, kenne ich nicht.
Naturfotos ändern die Erholung, nicht automatisch die Laune
Marc Berman, John Jonides und Stephen Kaplan haben 2008 in Psychological Science zwölf Personen etwa zehn Minuten lang Fotos ansehen lassen. Eine Serie zeigte Landschaft aus Nova Scotia, die andere Straßen aus Ann Arbor, Detroit und Chicago. Danach lag die gerichtete Aufmerksamkeit, geprüft mit einem Rückwärts-Zahlenfolgen-Test, nach den Naturfotos besser. Zwölf Personen sind wenig. Gemessen wurde Aufmerksamkeit, nicht die Laune beim Aufwachen. Stephen Kaplan hatte 1995 beschrieben, warum Natur das können sollte. Eine Landschaft zieht den Blick an, ohne dass man sich konzentrieren muss. Kaplan nennt das soft fascination.
Näher am Körper ist die Studie von Daniel Brown, Jo Barton und Valerie Gladwell von 2013. 23 Erwachsene sahen an zwei Tagen je zehn Minuten Standbilder, einmal Bäume, Gras und Felder, einmal Gebäude ohne Grün. Sie sollten sich vorstellen, in der Szene zu sein. Danach kam ein kurzer Merk-Test, bei dem sie sich beobachtet fühlten. In der Erholungsphase lag die Herzratenvariabilität nach den Naturfotos höher: RMSSD 50,0 gegen 34,8 Millisekunden, bei großer Streuung. Puls und Blutdruck im Test selbst unterschieden sich nicht. Die positive Stimmung im Fragebogen auch nicht. Das Selbstwertgefühl lag nach der Naturbedingung etwas höher, die negative Stimmung sank an beiden Tagen.
Ein Naturfoto als Desktop-Hintergrund ist die Bildsorte mit den besseren Belegen. Zehn Minuten Diashow sind trotzdem nicht der kurze Blick aufs Telefon. Unter einem Teppich aus Icons ist der Reiz weg. Wie sich Hintergründe über den Arbeitstag verhalten, steht im Text zu Hintergrundbildern, Stimmung und Produktivität.
Helligkeit sagt mehr aus als der Farbname
Der Merksatz, Blau beruhige und Gelb wecke, ist zu grob. Patricia Valdez und Albert Mehrabian haben 1994 Farbchips bewerten lassen. Helligkeit und Sättigung sagten das Gefühl klarer voraus als der Farbton. In ihren standardisierten Gleichungen hing das Wohlbefinden stark an der Helligkeit (0,69) und nur schwach an der Sättigung (0,22). Die Erregung hing vor allem an der Sättigung (0,60) und sank mit zunehmender Helligkeit. Dunkel verliert in dem Modell an Wohlbefinden, hohe Sättigung gewinnt an Erregung.
Lisa Wilms und Daniel Oberfeld haben das 2018 in Mainz mit 62 Personen auf einem Display geprüft, 30 Sekunden pro Farbe, dazu die Hautleitfähigkeit. Die Erregung stieg von Blau und Grün nach Rot. Satte und helle Farben trieben Erregung und Hautleitwert nach oben. Blau wirkte nur dann angenehmer als die anderen Töne, wenn es stark gesättigt war.
Am Rechner berichteten Ravi Mehta und Juliet Zhu 2009 in Science, ein roter Bildschirmhintergrund helfe bei Detailaufgaben, ein blauer bei kreativen. Kenneth Steele hat den Anagramm-Befund daraus 2014 nicht replizieren können. Andrew Elliot und Markus Maier schreiben im selben Jahr in ihrem Überblick, Farbe könne wirken, für feste Alltagsregeln sei die Literatur noch zu dünn.
Eine Wand ist ein stärkerer Reiz als ein Wallpaper. Christoph von Castell und Kollegen haben 2018 mit 170 Schülerinnen und Schülern vier Kabinenfarben geprüft, darunter ein als beruhigend verkauftes Blau und ein als anregend verkauftes Rot. Weder die Tests noch die Stimmung hingen daran. Nancy Kwallek fand 2007 in weißen, roten und blaugrünen Büros, dass ein Farbeffekt von der Reizempfindlichkeit abhing und davon, wie lange die Person im Raum saß. Wer leicht volläuft, merkt so ein Hintergrundbild morgens eher.
Was sich als Hintergrundbild am Morgen eignet
Für den Morgen lasse ich Motive weg, die um Aufmerksamkeit betteln. Neon, Collagen, Gesichter, Schrift im Bild. Hohe Sättigung hängt in den Farbstudien mit Erregung zusammen, und um sieben ist Erregung oft nur Gereiztheit.
Übrig bleibt ein Bild mit offenem Himmel oder Wasser, mittlerer Helligkeit, wenig knalligen Flächen. Auf dem Handy sollte diese ruhige Fläche hinter der Uhr liegen, nicht ein Ast, den die Uhr zerschneidet. Auf dem iPhone steht das Motiv unter Einstellungen und dann Hintergrundbild. Die Perspektive lasse ich aus, sonst wandert der Ausschnitt beim Kippen. Unter Android hängt der Pfad vom Hersteller ab. Sperrbildschirm und Startbildschirm lassen sich oft trennen. Zuerst den Sperrbildschirm setzen.
Auf dem PC gilt dasselbe für die Bildmitte, weil dort die Fenster sitzen. Passend sind die Naturmotive und die ruhigeren minimalistischen Bilder. Ein fast schwarzes Hintergrundbild ist abends auf OLED sinnvoll, weil weniger Fläche leuchtet. Als Erstes am Morgen spricht der Helligkeitsbefund eher gegen fast Schwarz. Ein weiß glühendes Bild im dunklen Schlafzimmer ist die andere Übertreibung. Es blendet, und es ist kein Tageslicht. Wer wach werden will, macht das Rollo hoch. Das Bild darf daneben liegen.
Die Studien dahinter
Übertragen auf ein Hintergrundbild sind das Hinweise, keine Garantie. Die Versuche dauerten Minuten, nicht einen Blick, und keine Arbeit hat den Sperrbildschirm um sieben Uhr gemessen.
- Berman, Jonides und Kaplan (2008), Psychological Science. Naturfotos und gerichtete Aufmerksamkeit.
- Kaplan (1995), Journal of Environmental Psychology. Aufmerksamkeitserholung durch Natur.
- Brown, Barton und Gladwell (2013), Environmental Science & Technology. Herzratenvariabilität nach Naturfotos.
- Valdez und Mehrabian (1994), Journal of Experimental Psychology: General. Helligkeit, Sättigung, Gefühl.
- Wilms und Oberfeld (2018), Psychological Research. Farbe auf dem Display, 62 Personen.
- Mehta und Zhu (2009), Science. Roter und blauer Bildschirmhintergrund. Dazu Steele (2014), der den Anagramm-Teil nicht replizieren konnte: Psychonomic Bulletin & Review.
- Elliot und Maier (2014), Annual Review of Psychology. Überblick, mit Warnung vor voreiligen Ratschlägen.
- von Castell, Stelzmann, Oberfeld, Welsch und Hecht (2018), Color Research & Application. Wandfarbe ohne die versprochene Wirkung.
- Kwallek, Soon und Lewis (2007), Color Research & Application. Büros in Weiß, Rot und Blaugrün.
Vier Motive, die zur Studienlage passen
Heller Himmel oder ruhige Fläche, wenig Knallfarbe. Alles frei nutzbar.
6240 x 4160 Zugspitze im Eibsee bei Sonnenaufgang
Offenes Wasser und heller Himmel, wenig Vordergrund. Eher für einen Raum, der nicht stockdunkel ist, sonst blendet die helle Fläche.
6000 x 4000 Geirangerfjord zwischen grünen Bergen
Viel Grün und eine ruhige Wasserfläche. Grün schnitt bei Wilms und Oberfeld weniger erregend ab als Rot.
5194 x 3463 Sanddünen im Morgenlicht
Wenig Objekte, wenig Sättigung. Die Mitte bleibt frei für Fenster und für die Uhr auf dem Handy.
4608 x 3072 Bambuswald in Arashiyama am Morgen
Gleichmäßiges Morgenlicht, kein Neon, keine Schrift. Auf dem Handy den Ausschnitt so legen, dass die Uhr auf einer ruhigen Stelle sitzt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wichtige Antworten rund um das Thema Was ein Hintergrundbild am Morgen mit der Stimmung macht.
1. Hebt ein Hintergrundbild die Stimmung am Morgen?
Nur am Rand, wenn überhaupt. Bei Brown, Barton und Gladwell lag nach zehn Minuten Naturfotos die Herzratenvariabilität in der Erholung höher, die positive Stimmung im Fragebogen aber nicht. Schlaf und Tageslicht am Fenster bleiben die größeren Hebel.
2. Soll der Sperrbildschirm morgens hell oder dunkel sein?
Eher mittlere Helligkeit, wenig Sättigung. Bei Valdez und Mehrabian hing angenehmes Empfinden stark an der Helligkeit, Erregung an der Sättigung. Fast schwarze Bilder sind abends auf OLED praktischer. Ein grellweißes Bild im dunklen Zimmer blendet.
3. Reicht ein Stadtmotiv als Hintergrundbild für den Start in den Tag?
In den Bildversuchen von Berman und von Brown schnitten Straßen- und Gebäudefotos schlechter ab als Natur, einmal bei der Aufmerksamkeit, einmal bei der Erholung der Herzratenvariabilität. Eine leere Fläche kann trotzdem ruhiger sein als eine volle Skyline. Dichte Straßenszenen würde ich morgens weglassen.
4. Welches Hintergrundbild, wenn ich wenig ausprobieren will?
Ein Naturfoto mit Himmel oder Wasser, ohne Schrift und ohne Gesichter. Auf dem Handy den ruhigen Teil hinter die Uhr legen. Wenn nach zwei Wochen kein Unterschied zu merken ist, das Bild in Ruhe lassen.
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